Roßdorfs Erfahrungen mit der Atomkraft

Das ehemalige Atomkraftwerk Biblis liegt gerade mal 25 km Luftlinie westlich von Roßdorf.

Generationen von Roßdörfern haben dagegen demonstriert. Als die endgültige Stilllegung stattfand, haben viele aufgeatmet. Und als die letzten Brennstäbe ausgebaut waren, war für die meisten von uns das Thema abgehakt.

Ist es aber nicht.

Der Angriffskrieg in der Ukraine beflügelt Phantasien für ein neues Leben der Atomenergie, vor allem bei Leuten, die vorher den Ausbau von Stromnetzen und Windkraft über viele Jahre verschleppt haben.

 Und jetzt kam noch das Europäische Parlament dazu, das Atomenergie und fossiles Erdgas als „nachhaltig“ eingestuft hat und Anlegern in der „Taxonomie“ als sinnvolle Geldanlage empfiehlt.

Dass hier eine Hochrisikotechnologie wieder belebt werden soll, ist für uns unvorstellbar.

Die Roßdörfer GRÜNEN haben versucht, etwas dagegen zu tun. Wir haben den für unsere Region zuständigen Europaabgeordneten im Vorfeld gebeten, gegen diese Taxonomie zu stimmen.

Hier Ausschnitte aus unserem Brief VOR der Abstimmung:

Sehr geehrter Herr Gahler

Wir kennen uns aus mehreren Veranstaltungen hier in Roßdorf. Mal auf Gemeindeebene, mal bei CDU-Veranstaltungen.

Aus ihren beeindruckenden Vorträgen habe ich mitgenommen, dass Sie ein glühender Verfechter des Freiheitswillens der Ukraine sind, und selbst auf dem Maidan waren.

Durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg soll das gebrochen werden.

Putins wichtigste Waffe gegen uns Europäer ist der immer wahrscheinlichere Stopp der Gaslieferungen.

Sollen wir Europäer deshalb das Rad zurück drehen? Sie werden demnächst im Europaparlament zu entscheiden haben, ob Investitionen in Atomkraftwerke wieder „grün“ werden.

Ihre und unsere langjährige Bundeskanzlerin und Physikerin hat das beim von ihr initiierten endgültigen Atommausstieg auf den Punkt gebracht.

„Dese Technologie ist nicht beherrschbar. Wenn ein Technologieland wie Japan das nicht beherrscht, ist diese Technologie nicht beherrschbar“

Ich möchte ergänzen: „Und für die Entsorgung, die Millionen Jahre dauert, gibt es noch kein Konzept“.

Wer also die Erpressung durch Putin durch eine Wiedergeburt der toten Atomenergie lösen will, mogelt sich an den Fakten vorbei.

So habe ich Sie, Herr Gahler nicht erlebt.

Sondern ich habe Sie als nüchtern abwägenden Mensch in Erinnerung, der sich begeistert für die Zukunft dieser Welt engagiert.

Sie sind als Europaabgeordneter auch mein Abgeordneter.

Deshalb bitte ich Sie, den Vorschlag, Atomenergie als zukunftsfähiges Investitionsmodell zu erklären, klar abzulehnen.

Viele Grüße

Frieder Kaufmann, Grüne Roßdorf

Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen“

 

Leider kam sie nicht. Herr Gahler (CDU) hat FÜR die Grünfärbung der Atomenergie und des Erdgases gestimmt. Schade.

Der sicher als seriös einzustufende Wirtschaftsminister Habeck hat es am Samstag so auf den Punkt gebracht:

„Erst einmal ist die Atomkraft eine Hochrisikotechnologie. Fakt ist: wir haben aktuell ein Gasproblem, kein Stromproblem .Für mich ist die Risiko-Nutzen-Abwägung die entscheidende.“

Dem ist aus Roßdörfer Sicht nichts hinzufügen.

 

Für die GRÜNEN: Frieder Kaufmann mit dem Redaktionsteam

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