Energiewende im Landkreis Darmstadt-Dieburg: Windkraft-Standorte und neue Speicher-Technologien gesucht
Um die Energiewende im Landkreis Darmstadt-Dieburg umzusetzen, müssen zeitnah die richtigen Vorbereitungen und Maßnahmen von der Politik, gerade auch auf der kommunalen Ebene, getroffen werden.
„Die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Kürzung der Förderung bei der Einspeisung Erneuerbarer Energien ist alles andere als hilfreich für eine schnelle Umsetzung der Energiewende und zeigt erste negative Auswirkungen auf die vorhandene Beschäftigungs- und Auftragslage, die auch regional ihren Niederschlag findet“, warnt Ben Lüttges, Kreistagsabgeordneter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und energiepolitischer Sprecher der Fraktion.
Bei dem von der Hessischen Landesregierung initiierten Energiegipfel haben sich Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft darauf verständigt, zwei Prozent der Landesfläche als Vorrangfläche für Windkraftanlagen zu verankern. Diese Entscheidung muss schnellstmöglich in die Landesentwicklungspläne und auf Ebene der Regionalversammlungen in die konkrete Umsetzung gehen, „damit der Energiewende in Hessen ein neuer Schub verabreicht wird“, so Lüttges weiter. Die Windkraftanlagen liefern im Vergleich zur Photovoltaik mehr Energie bei weniger Flächenverbrauch und sind durch die geringere Einspeisevergütung günstiger für die Endverbraucher. Sie sind ein wichtiger Bestandteil bei der kompletten Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien.
Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen setzt sich dafür ein, dass jetzt Standorte für Windkraftanlagen im Landkreis Darmstadt-Dieburg und in benachbarten Kreisen ausgewiesen werden, um im nächsten Schritt mit Hilfe von Energiegenossenschaften, bürgerschaftlichen Initiativen und privaten Investoren diese zu realisieren.
Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende ist außerdem die Entwicklung von großen Speicherkapazitäten für Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energieträgern. Nur wenn man die Energie speichern kann, kann man auch eine 100 % Versorgung der Bevölkerung mit Energie in Zeiten sicherstellen, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nur sehr schwach weht.
Die Speicherung von Strom in Form von Gas, welches bei Stromüberschuss dem Erdgasnetz zugegeben werden kann und bei Bedarf mittels eines Gaskraftwerks zurück verstromt wird, ist aus Sicht der GRÜNEN ein vielversprechender Ansatz bei der Erforschung von Speichertechnologien. Das deutsche Erdgasnetz ist momentan der größte, bereits vorhandene Energiespeicher in Deutschland. Bei dem momentan vom Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES Kassel untersuchten „Power-to-Gas“ Verfahren wird aus Wasserstoff und Kohlendioxid synthetisches Methangas hergestellt und anschließend im Erdgasnetz gespeichert. Der Wasserstoff kann mit Hilfe von Elektrolyse aus erneuerbarem Strom (Windrad) hergestellt werden, das Kohlendioxid kann aus vielfältigen Quellen gewonnen werden, so z.Bsp. auch als Nebenprodukt einer Biogasanlage.
„Eine Möglichkeit wäre, die Speicherkapazität der hiesigen Biogasanlagen zu untersuchen“, schlägt Ben Lüttges vor. „Hier könnte der Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht nur zur Umsetzung der Energiewende beitragen, sondern auch einen Schritt in Richtung neue Speichertechnologien gehen.
Um diese Diskussion fortzusetzen und potentielle Speicherkapazitäten im Landkreis zu erörtern, wird sich der Arbeitskreis der Fraktion in den nächsten Wochen weiter mit der Thematik befassen und zur Einschätzung der Chancen und Probleme des „Power-to-Gas-Verfahrens“ ausgewiesenene Fachleute in ihre Sitzung einladen.
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