Roßdorfs Grüne hatten dazu aufgerufen, sich am 4.2.20 an der Kundgebung in Schaafheim zu beteiligen die unter dem Motto stand: „Gemeinsam aufstehen für Demokratie, Menschlichkeit und Respekt“.
300 Menschen demonstrierten dort friedlich gegen eine Veranstaltung, bei der zwei Redner sprechen durften, die den Ruf von Neonazis haben.
Prominente Politiker wie der Stellvertretende Landrat Robert Ahrnt oder die Landtagsabgeordnete Heike Hofmann warnten davor, dass sich rechtsradikales Gedankengut ausbreitet. Am beeindrucktesten war für uns aber die Rede von Hülya Lehr (DGB-Kreisverband und Grüne) Sie erzählte ihre ganz persönliche Geschichte:
„Vor 39 Jahren bin ich aus der Partnerstadt von Darmstadt, Bursa in der Türkei, wo bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten, nach Deutschland emigriert. Vor 39 Jahren, waren mir die deutsche Sprache, das Umfeld, die Menschen fremd. Damals gab es keine Integrationskurse. Wir waren auf uns allein angewiesen. Hilfe kam von deutschen Nachbarn die selber in ihrem Lebenslauf Erfahrung mit Flucht und Migration nach dem zweiten Weltkrieg gemacht haben. Diesen Menschen danke ich heute noch jeden Tag.
In der Schule wurde ich wegen meiner nicht vorhandenen Sprachkenntnisse vom ursprünglichem Gymnasium, welches ich in der Türkei besucht habe auf eine Hauptschule eingestuft. In meiner neuen Klasse befanden sich auch drei Neo-Nazis Diese drei haben mich über mehrere Wochen mit körperlicher Gewalt aus der Klasse raus getragen. Als Kanacke und Türkenschlampe hätte ich kein Recht mit ihnen am gleichen Unterricht teil zu nehmen. Es hat Wochen gedauert, bis die Lehrer die Situation als nicht-korrekt verstanden und Strategien für ein respektvolles Miteinander in der Klasse eingeführt haben. Den drei Neo-Nazis habe ich geschworen, dass ich eines Tages besser deutsch sprechen werde, als sie es als Deutsche tun. Meinen Eid habe ich umgesetzt.
Als Mensch mit Islam als religiösem Glaubensbekenntnis, lese ich, höre ich ständig, dass wir Muslime an allem schuld sind: An der Wohnungsnot, an den hohen Mieten, an der Pisa-Studie, am Fachkräftemangel, sogar am Parkplatzmangel Die Integration würde am Islam scheitern. Muslime seien Terroristen, Frauen wären alle Kopftuchmädchen und die Männer Messerstecher und Vergewaltiger. Der Islam würde nicht zu Deutschland gehören, Mein deutscher Pass wäre eh nur ein Alibi; denn auf meiner Stirn bleibe meine türkische Herkunft eingemeißelt für all jene, die immer noch glauben, eingebürgerte Menschen sind keine echten Deutschen. Diese verfassungsfeindliche Haltung von heute gab es bereits im Nazi-Deutschland gegenüber Menschen mit jüdischem Glauben.
Die Geschichte wiederholt sich immer wieder wird gesagt. Das sehe ich anders. Ich meine, die Geschichte gibt uns die Gelegenheit zu lernen. Durch Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.
Die NSDAP wurde auch demokratisch in den Reichstag gewählt; ihr wahres faschistisches Gesicht war bekannt und dennoch kam es zu einer Zeit der Schande für die gesamte Menschheit.
Max Mannheimer, ein Überlebender des Holocaust, gab der heutigen Generation das Leitbild mit: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“
Deshalb sind wir heute hier für Liebe. Denn Liebe zu sich selbst und Liebe zum Nächsten bringt Licht in die Gemeinschaft.
Wir sind eine starke, solidarische und vielfältige Gemeinschaft mit dem Willen eine wertschätzende und gleichberechtigte Gesellschaft zu gestalten. Deshalb stehen wir für Demokratie, Menschlichkeit und Respekt“
Für die Grünen: Frieder Kaufmann

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