Geburtstagsallee

25 Jahre Gebietsreform – die Feier geht weiter

 

Geburtstagsallee und kein Ende. Dies ist wörtlich zu verstehen, denn die Geburtstagsallee wird im November verlängert – zunächst auf Roßdörfer Gemarkung und weiter bis auf die Groß-Zimmerner Gemarkung und danach möglicherweise bis nach Messel. Aus Sicht der Grünen war empörend: Der erste Teil der Geburtstagsallee wurde eingerichtet, ohne dass der Gemeindevorstand oder das Parlament dazu befragt worden waren. Es war alleine der Berichterstattung der Zeitung zu verdanken, dass die Roßdörfer Gemeindevertreter überhaupt davon erfahren haben. Aus Sicht der Grünen unnötig: Der Wald wird über mehrere Kilometer eingeschlagen, um eine landschaftsgestaltende Großanlage zu schaffen, wie sie zur Zeit des Absolutismus (z.B. Versailles oder Jagdschloss Kranichstein) üblich war. Aus Sicht der Grünen offenkundig: Das historische Zitat ist gar nicht so weit her geholt, denn der Nachfahre des Großherzogs heißt heute Landrat und die Idee der großartigen Anlage kam nicht aus Liebe zum Wald sondern aus Liebe zum Wahlvolk.

Allein der öffentlichen Aufregung war zu verdanken, dass der zweite Teil der Geburtstagsallee nicht schon im Frühjahr gepflanzt wurde, sondern in den Herbst verschoben wurde. Für den zweiten Teil der Alle hat die Roßdörfer SPD bereits vor einigen Monaten einen parlamentarischen Antrag in das Roßdörfer Parlament eingebracht – die Fortsetzung der Allee wurde von den Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Grünen und der CDU beschlossen. Auch wenn die Grünen mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sind, so liegt damit für die zweite Rodungs- und Pflanzaktion zumindest ein demokratischer Beschluss der Gemeindevertretung vor, da gibt es nichts zu rütteln.

Ein letztes Aufbäumen gegen diesen Beschluss kam von der CDU – diese beantragte in der vergangenen Sitzung der Gemeindevertretung, dass die Geburtstagsallee nicht im Wald, sondern im freien Feld fortgesetzt werden sollte. Es war der Versuch, den schon vorhandenen Parlamentsbeschluss nochmal „umzubiegen“. Wir Grünen haben lange nachgedacht, denn wir sind gemeinsam mit der CDU der Meinung, dass die Geburtstagsallee im Roßdörfer Wald unnötig ist. Im Parlament haben wir Grüne jedoch nicht einheitlich abgestimmt. Ein Teil der Fraktion hat dem CDU-Antrag zugestimmt, einfach nur, um weitere Rodungen im Wald verhindern zu können. Die Mehrheit der grünen Fraktion hat sich gegen den Antrag der CDU entschieden, weil auch der frisch von allen Parteien beschlossene Landschaftsplan der Gemeinde nirgendwo eine lange Allee vorsieht. Für jeden Kilometer Allee im freien Feld müsste die Gemeinde beidseitig des Weges etwa 5 Meter Ackerland von den Landwirten erwerben, das würde mindesten 20.000 Euro kosten, Geld, das für ökologisch wichtige Projekte fehlen würde. Warum also gutes Geld dem schlechten hinterher schmeißen? Wir sind der Meinung: Natur und Landschaft sollte man nicht für politische Feierlichkeiten gebrauchen, selbst wenn es sich um ein „weltbewegendes“ Ereignis wie die 25-jährige Gebietsreform handelt. In der Praxis des Roßdörfer Parlamentes waren die Überlegungen von CDU und Grünen ohnehin nur Gedankenspielerei, die sozialdemokratische Mehrheit hat sich davon nicht beeindrucken lassen.

Der 09. November wird also wieder viele Menschen in den Roßdörfer Wald führen, darunter auch einige mit einem Spaten in der Hand. Vielleicht sehen wir uns dort, denn zuschauen kostet nichts, selbst wenn man dagegen ist.

 

Robert Ahrnt – Die Grünen Roßdorf / Gundernhausen

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