Mut zur Lücke – Mehr Frauen ins Ehrenamt

Die GRÜNEN in Gemeindevertretung und Gemeindevorstand (GVO) 2026:
Astrid Kaufmann, Ulla Bernhard, Michael Meisterburg, Ina Renz, Peter Pokinskyj, Jutta Quaiser (GVO), Kerstin Schuchmann, Daniela Dalpke, Rolf Klatta (GVO), Erik Slabon.

Der hohe Anspruch von Frauen an sich selbst bremst viele Frauen aus.

In Roßdorf sind trotzdem in der GRÜNEN Fraktion fünf von acht Mitgliedern Frauen, also 62,5%. Im Kreis sind es nur 38%.

Astrid Kaufmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Roßdorf, nennt die Gründe: Der hohe Zeitaufwand ist die größte Hürde. Als Mutter von drei Kindern und Vollzeit-Abteilungsleiterin erlebt sie täglich, wie anspruchsvoll es ist, politische Verantwortung mit Beruf und Familie zu vereinbaren.

Ein weiterer Aspekt ist der hohe Anspruch vieler Frauen an sich selbst. Astrid Kaufmann beobachtet immer wieder, dass Frauen ein politisches Engagement erst gar nicht beginnen, weil sie glauben, allem gerecht werden zu müssen. Oft höre sie den Satz: „Wenn ich mich engagiere, dann will ich auch alles geben und es richtig machen, und wenn ich das nicht kann, dann fange ich gar nicht erst an.“ Sie selbst sei eigentlich genauso, nur sei das kontraproduktiv. Viel wichtiger seien gegenseitige Unterstützung und realistische Erwartungen. In der GRÜNEN Fraktion gibt es die klare Vereinbarung: „Es ist in Ordnung. Wir fangen das auf, bis du dich wieder mehr einbringen kannst.“ Denn wir alle wissen: Es kann und wird uns allen einmal zu viel. Diese Vereinbarung erfordert starkes Vertrauen zueinander, eine offene Kommunikation, und die Übereinkunft, dass nicht alles perfekt sein muss. Ist das innerhalb der Fraktion nicht möglich, engagieren sich insbesondere Frauen mit Kindern nicht.

Astrid Kaufmann motiviert vor allem der Blick auf kommende Generationen:

„Ich möchte, dass auch meine Kinder als Erwachsene eine schöne Welt vorfinden, mit funktionierender Demokratie und erträglichen Temperaturen.“ Aus ihrer Erfahrung ist das auch für die meisten anderen Frauen Motivation und Antrieb. Die Kommunalpolitik ermöglicht hier den größten direkten Einfluss auf das Lebensumfeld der Familie.

Insgesamt ist politische Arbeit sehr zeitaufwändig. Sitzungen wie Fraktions-, Ausschuss und Gemeindevertretungssitzung beginnen um 19:00 Uhr und enden oft nicht vor 23:00 Uhr; jede Sitzung muss vorbereitet werden. Im Durchschnitt sind das niedrig gerechnet ca. sechs Stunden pro Woche. Die Statistiken, wieviel Zeit Frauen nach der Erwerbsarbeit noch in Care-Arbeit investieren, kennen wir alle. Da bleibt im Regelfall nicht viel übrig. Häufig werden Frauen deshalb erst dann politisch aktiv, wenn die Kinder zumindest aus dem Gröbsten heraus sind. Bis dahin sind die Netzwerke und Positionen aber längst verteilt, zumindest nimmt Astrid Kaufmann das oft so wahr. Der Teufelskreis setzt sich fort: Frauen sind nicht mit Amt und Macht repräsentiert, werden nicht gehört und ernstgenommen, und ziehen sich aus ihrem Engagement wieder zurück.

Frauen liegt viel an sachlicher Diskussion und respektvollem Umgang.

Ist das nicht zuverlässig gegeben, schreckt das ab. Hier liegt ein wesentlicher Hebel, um politisches Engagement am Leben zu halten. Profitieren tun davon alle, denn auch die allermeisten Männer können dem nichts abgewinnen.

Astrid Kaufmanns wichtigster Rat an Frauen, die sich politisch engagieren wollen, ist daher: „Ihr müsst nicht alles geben, es reicht, wenn ihr so viel gebt, wie ihr aktuell könnt.

Überlasst die Kommunalpolitik nicht Menschen, die sich nicht mit unserer Lebensrealität auskennen! Sonst entscheiden andere nicht in unserem Sinn.“

Für die GRÜNE Redaktion: Jutta Quaiser

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