Auf Einladung der GRÜNEN aus Ober-Ramstadt besuchten GRÜNE aus Roßdorf und Ober-Ramstadt den mit Abstand größten landwirtschaftlichen Betrieb in Roßdorf, den Karlshof.
Der Agrartechniker Lennart Reimann, der seit 10 Jahren im Karlshof arbeitet und der Besitzer Michael Dörr, der den elterlichen Betrieb übernommen und massiv vergrößert hat, führten uns über den riesigen Hof. Sie blieben keine Antwort auf unsere vielen neugierigen Fragen schuldig.
Teilnehmer war auch der GRÜNE Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Müller, der selbst Landwirt ist, sowie Karl-Heinz Rück, der Ortslandwirt aber auch Kreislandwirt und Erster Beigeordneter in Roßdorf ist.
Erstaunt sahen wir, wie die Kühe (es sind 315 „melkige Tiere“) in einer der neu angeschafften vollautomatischen Melkstation computergestützt gemolken wurden. Wir hörten: „Das ist auch besser fürs Tierwohl, denn jetzt ist jeder Melkvorgang gleich und es kommt nicht auf die Tagesform des Melkenden an“.
Dass die Tiere gern dahin gehen, liegt aber auch daran, dass sie beim Melken computergestützt genau so viel zusätzliches Kraftfutter bekommen, wie es zu ihnen passt. Sozusagen Leckerli.
Gern hörten wir, dass das Futter aus der näheren Region stammt, und der Schlachtbetrieb im naheliegenden Höchst im Odenwald ist, was stressige Transporte verkürzt.
Der Karlshof ist allerdings ein Hochleistungsbetrieb. Jede Kuh gibt im Schnitt 39 Liter am Tag. Das funktioniert nur, indem immer genügend Kälber geboren werden und nachkommen.
100 Kälber müssen das im Jahr sein. Viel mehr werden auch in Nachbarbetrieben groß gezogen, sodass sich der Karlshof die besten raus suchen kann. „Die anderen werden dann halt von jemand anderem gemolken“ Hochleistungslandwirtschaft eben.
Herr Dörr erläuterte auch, wie die riesigen Dach-Fotovoltaikanlagen entstanden sind, und wie sie und die Biogasanlage Teil des Energiekonzepts des Betriebes und der Stoffkreisläufe sind.
In der Diskussion mit den drei Landwirten wurde nicht nur geklagt, wie besser doch alles früher war. Sondern als Kernursachen für die Bauernproteste schälten sich zwei Hauptpunkte heraus.
Die vielen Vorschriften haben durchaus sachliche Gründe. Aber die Art wie sie umgesetzt werden, ist nicht nachvollziehbar. Oft widersprechen sich die Auflagen sogar. Dafür wurden viele Beispiele genannt.
Ein zentrales Kernproblem ist aber, dass die Landwirtschaftsminister (alles keine GRÜNE) vehement eine landwirtschaftliche Grundregel unterlaufen haben. Jahrzehntelang. Nämlich dass zu einer landwirtschaftlichen Fläche nur eine Höchstzahl von 2 „Großvieheinheiten“ (also Kuh und Pferd) pro Hektar nicht überschritten wird. In Südhessen sind das 0,8, aber in Norddeutschland manchmal 12,5!
Daran sind nicht die GRÜNEN schuld, sondern neben den Landespolitikern auch die Bundes-Bauernverbände. Daher kommen auch die echten Gülleprobleme, die Schädigung des Grundwassers. Und der Wust an Vorschriften.
„Würde die Zahl der Tiere pro Hektar Fläche wirklich so begrenzt, wie es die landwirtschaftlichen Grundsätze seit Jahren vorgeben, hätten wir keine Probleme und viele Vorschriften wären schlicht unnötig“ fasste der GRÜNE Landtagsabgeordnete und Landwirt Müller zusammen.
Es gab keinen Widerspruch der anderen Landwirte, sondern klare Zustimmung. Die Landwirte wünschen sich mehr pragmatisch geprägte Vorgaben, sei es durch Land, Bund oder Europa und Bürokratieabbau.
Wir bedankten uns bei den Landwirten, dass sie sich zum Gespräch und der Führung über den Hof bereitgefunden hatten. Der Dialog mit den Landwirten gehört für uns GRÜNE zu den gern gemachten Aufgaben der Kommunalpolitik.
Für die GRÜNEN: Frieder Kaufmann mit der Redaktion

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