Frauenförderung in Roßdorf am 8.3., dem Weltfrauentag

In Roßdorf ist am 1.3.18 der aktualisierte Frauenförderplan in Kraft getreten. Im Planungszeitraum sollen auf gemeindliche Stellen wo Frauen unterrepräsentiert sind, zu 51% Frauen eingestellt werden. 51%? Das heißt, dass bei gleicher Eignung Frauen bei Neubesetzungen den Vorrang haben. Das sind vor allem die Führungsstellen, die beinahe alle mit Männern besetzt sind.

Dazu wurde die Gemeinde durch das 2015 von Schwarz-Grün erneuerte Hessische Gleichstellungsgesetz verpflichtet. Es schreibt vor, die tatsächliche Gleichstellung auch anhand der Eingruppierungen zu prüfen und in der Zukunft zu ändern. Gut so. Grün wirkt.

Wer denkt, dass Frauen bei der Straßenbenennung in Roßdorf eine Rolle spielen, irrt sich.

Die einzigen Straßen, die nach verdienten Frauen benannt wurden, gibt es aufgrund eines Grünen-Antrags in Gundernhausen. Es gibt 157 Straßen, 41 davon mit Männernamen und 4 mit Frauennamen.

Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel waren „Mütter des Grundgesetzes“. Sie haben 1948 den wundervollen Satz ins Grundgesetz gebracht „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“.

Das wollte die männliche Mehrheit der verfassungsgebenden Versammlung überhaupt nicht. Durch pure Erpressung (oder sagt man dazu taktisches Geschick) haben sie mit einem Volksentscheid gedroht. Die Männer gaben nach, denn nach dem Weltkrieg waren die Frauen 1948 weit in der Überzahl. Sie hätten die Abstimmung sicher gewonnen. Das war knallharte Frauen-Power 1948. Und erfolgreich.

Das ist jetzt gerade mal 70 Jahre her. Das Frauenwahlrecht wurde in der Novemberrevolution 1918 nach dem ersten Weltkrieg erkämpft. Das ist 100 Jahre her. Keine lange Zeit.

Und bis 1977 durften Männer ihren Frauen die Berufstätigkeit verweigern. Das war wirklich so: wenn der Mann den Arbeitsvertrag nicht unterschrieb, durfte die Frau nicht arbeiten. Und ein eigenes Konto hatte die Ehefrau auch nicht, wenn der Mann das nicht wollte.

Das ist jetzt gerade mal 41 Jahre her. Unvorstellbar, aber nicht zu vergessen.

Die Grünen haben ihre Wurzeln auch im Kampf um die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Deshalb haben sie in ihrer Satzung das „Frauenstatut“, das den Frauen bei Kandidaturen den Vortritt gibt. Ein echtes Frauenwahlrecht.

Erst wenn überall in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, in Parlamenten, Führungsetagen und anderen Gremien Frauen denselben Anteil an Entscheidungen haben, werden Frauen und Männer auch im Alltag wirklich gleichberechtigt sein

Das hessische Gleichstellungsgesetz ist ein Puzzlestein auf dem richtigen Weg, Die Grünen sind optimistisch: Nochmal 41 Jahre oder 100 Jahre wird es nicht dauern, bis sich Regeln eingespielt haben, die Frauen und Männer im täglichen Leben gleichberechtigt leben lassen

Es wird viel über die unglaubliche Missachtung der Frauen in weiten Teilen unserer Erde berichtet, sehr berechtigt, aber auch abschätzig kommentiert. Wir sollten uns ab und zu an die eigene Nase fassen und erinnern, dass es auch in unserem hoch gelobten Kulturkreis längst nicht gut gestellt ist mit der faktischen und gelebten Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Und wer merkt, dass bis vor 41 Jahren die Lebensgestaltung der deutschen Frauen von der Laune ihres Ehepartners abhing, sollte sich dafür einsetzen, dass weltweit die Rechte der Frauen geachtet werden.

So wie es 1907 die „Suffragetten“ in Anlehnung an ein altes chinesisches Wort bekräftigten: „Die Hälfte des Himmels gehört uns.“

Ach ja: Frau vier bei den Roßdörfer Straßennamen. Das ist Kätchen Schantz, eine herzensgute Frau mitten aus dem gemeindlichen Leben, die sich bis ins hohe Alter der Bildung von Kindern verschrieben hatte. Als sie nicht mehr so gut laufen konnte, fuhr sie halt Moped. Eine starke Frau.

Wer weiß, woher der Frauennamen bei seiner Postadresse stammt sieht, dass wenigstens hier ein ganz klein bisschen Weltfrauentag umgesetzt ist.

Für die Grünen: Frieder Kaufmann

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