Energiekosten explodieren: was tun in Roßdorf?

Das Titelbild zeigt die fertige Baugrube für das Tannenkopf-Windrad vor der Verfüllung mit Beton. Mehr nicht. Wie so wenig Beton so eine riesige Anlage tragen kann, wissen nur die Statiker. Aber sie haben Recht. Und am Ende der Laufzeit muss alles wieder recycelt werden.

 

Vorletzte Woche hatte REG.eV zu einer Infoveranstaltung mit dem Schwerpunkt Windkraft eingeladen, bei der auch 5 Gemeindepolitiker:innen von CDU, SPD und GRÜNEN im Zuhörerraum saßen. Es gab viele interessante Neuigkeiten. Dazu weiter unten mehr. Weniger schön waren letzte Woche neue Gebühreninformationen der Energieversorger. In einem uns bekannten Fall werden 220€ mehr im Monat nur für Heizung und Warmwasser anfallen, in einer kleinen Altbauwohnung mit drei Zimmern.

Die wichtigste Lösung in der Energiekrise ist der Umstieg auf die Erneuerbaren. Die Sonne schickt uns keine Rechnung, der Wind auch nicht.

Roßdorf kann stolz auf seine beiden Windräder sein. Auch wenn man bedauern könnte, dass der Betreiber GGEW vor dem angedrohten Gerichtsverfahren des Einwenders Wetterdienst eingeknickt ist und „freiwillig“ auf 20 Meter Ausbauhöhe verzichtet hat, ist entscheidend dass sie dadurch seit 2015 laufen und Umweltstrom erzeugen. Danach haben Entscheidungen der damaligen Bundesregierung und viele Einwendungen von „Vernunftkraft“ und Anderen die Zahl der Neubaugenehmigungen in Hessen praktisch auf null sinken lassen.

Das hat sich jetzt zum Glück gedreht.     

 

Der Ausbau der Windkraft in Hessen zieht wieder an. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden bereits 45 neue Anlagen genehmigt – so viele wie im gesamten Vorjahr und dreimal so viele wie im Jahr 2020. Zur Jahresmitte waren in Hessen 1162 Windkraftanlagen in Betrieb, weitere 57 standen vor der Inbetriebnahme.

Ein Grund dafür ist, dass den Genehmigungs- und Naturschutzbehörden in den Regierungspräsidien in diesem Jahr zehn neue Stellen zugewiesen wurden. Außerdem wurden Abläufe standardisiert und die Schulung des Personals intensiviert, um die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Damit die schon reservierten zwei Prozent der Landesfläche für Windenergieanlagen auch zügig bebaut werden können, ist auch die Einrichtung neuer Stellen am Hessischen Verwaltungsgerichtshof geplant, denn immer noch wird leider ein Großteil der Windenergieprojekte in Hessen beklagt.

Zur Jahresmitte liefen gegen 74 genehmigte Anlagen Klageverfahren. Ebenso wurden 64 Ablehnungen angefochten. 277 Anlagen waren im Genehmigungsverfahren.

Die größte Veränderung bringt das neue hessische Energiegesetz, das festschreiben wird, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien im öffentlichen Interesse liegt und der öffentlichen Sicherheit dient.

 

Was heißt das für Roßdorf?

Bei dem oben angesprochenen Vortrag von REG.eV haben wir gehört, dass bei einem Bodenverbrauch von einem Quadratmeter Standfläche mit Windkraft 3000 KWh gewonnen werden können. Bei Fotovoltaik sind es nur 100 KWh. Dieser Vergleich war auch unseren Gemeindevertretern nicht so geläufig. Beide Energiequellen decken heute (2021) mit 10,9 Mio. KWH (Wind) und 4,2 Mio. KWh (Photovoltaik) rechnerisch 30 Prozent des Stromverbrauchs in Roßdorf (50 Mio. KWh) ab. (Quelle: REG.eV)

 

Es ist Zeit für die Ortspolitik, dieses Thema wieder aufzugreifen. An den Behörden liegt es diesmal nicht. Und der Referent zeigte auch einen gangbaren Weg, wie das schneller gehen kann.

Außerdem: die vom Referenten vorgestellten Möglichkeiten, im Gemeindewald in Richtung Darmstadt zwei weitere Windräder zu bauen, würden die Gemeinde sehr nah an das Ziel bringen, bei der Stromerzeugung zu 100% autark zu werden.

Ach ja: unsere Rotmilane vom Tannenkopf sind jetzt wahrscheinlich wieder in Spanien. Im Frühling sind es jedes Jahr zwei, im Herbst 5. Die Windräder stören sie nicht.

 

Für die GRÜNEN: Frieder Kaufmann und die Redaktion

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