Phosphor in Roßdorfs Abwasser: Recycling noch am Anfang

Die Gemeinde Roßdorf muss strenge Umweltrichtlinien einhalten, wenn sie gereinigtes Klärwasser in den Erbsenbach schickt, der über Gersprenz, Main und Rhein in der Nordsee ankommt.

Für Phosphate gibt es besonders enge Grenzwerte. Phosphor/Phosphat ist eine Umweltchemikalie mit sehr positiven Eigenschaften, die die industrielle Landwirtschaft mit früher nicht gekannter Fruchtbarkeit erst ermöglicht hat. Und es wird immer noch für Reinigungsprozesse wie z.B. in Waschpulver eingesetzt. Phosphor/Phosphat ist aber auch ein Umweltgift, das Gewässer zum Umkippen bringen kann und im Trinkwasser gar nichts verloren hat.

Und: Phosphor ist endlich. Seriöse Analysten rechnen mit noch maximal 150 Jahren Verfügbarkeit dieses eigentlich sehr wertvollen Stoffes.

Der Ökolandwirt Löwenstein mit seinem 400 Jahre alten Hofgut aus Otzberg / Habitzheim hatte uns auf diesen aus seiner Sicht extrem kurzen Zeitraum hingewiesen.

Deshalb hatten die Grünen in der Betriebskommission der Gemeindewerke Roßdorf angefragt, ob es für den in der Kläranlage mühsam aus dem Abwasser heraus gefischten Phosphor einen echten Recyclingprozess gibt.

Die Antwort war: im Prinzip ja. Aber:

Derzeit bleibt der Phosphor im Klärschlamm, der von einigen Landwirten auf die Felder aufgebracht wird, die sich natürlich über den Phosphor freuen. Aber: Diese Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, solange die Phosphormenge der Kläranlage  insgesamt „klein“ genug ist und solange genügend landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stehen. Durch Baugebiete aller Art wird das immer weniger. Und nur ein Teil des Klärschlamms wird so recycelt.

„Echtes Recycling mit der Rückgewinnung von Phosphor aus Abwässern könnte etwa die Hälfte des Phosphorbedarfs für die Landwirtschaft bundesweit decken.“ erklärte Angela Dorn, die umweltpolitische Sprecherin der Grünen.

Das Land Hessen hat dazu ein Dialogverfahren zwischen den Betreibern von Kläranlagen, den Kommunen und der Wissenschaft in den einzelnen Regionen Hessens etabliert. Die Planungen zu ersten Demonstrationsanlagen sind in allen drei Regierungsbezirken schon weit vorangeschritten. „Dieser Prozess ist sehr erfolgreich und wir müssen ihn weiter vorantreiben. Er legt den Grundstein, um die Phosphorrückgewinnung in Hessen fest zu etablieren und beispielgebend für andere zu sein“ erklärte Dorn weiter.

Die Untersuchungen zur Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser, Klärschlamm und Klärschlammasche gehören zur Grünen Ressourcenschutzstrategie. In der Natur findet sich Phosphor in Form von Mineralienverbindungen in der Erdkruste, wobei die größten Vorkommen in Afrika, in China und den USA (Florida) liegen.

Für die Grünen: Frieder Kaufmann

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