Lieber erst mal keine neue Straße als so eine:

Die Grünen beantragen, den Ausbau der Kreisstraße 128 in Gundernhausen erst mal zu stoppen.

Aus zwei Gründen:

Die Planung sieht eine ebenerdige Straße ohne Randsteine vor. Das berücksichtigt viel zu wenig den Schutz von Fußgängern, Kinder und Kinderwagennutzern und Rollstuhlfahrern. Sie ist für Fußgänger schlechter als der jetzige Zustand. Die Autofahrer werden durch den geplanten ebenerdigen Rückbau (keine Randsteine mehr) geradezu eingeladen, auf die Gehwege zu fahren. Heute wird schon rücksichtslos auf den Gehwegen gefahren, Am letzten Samstag um 14 Uhr (eher verkehrsarme Zeit) haben wir in 10 Minuten 5 solcher Fahrten mit ansehen müssen. Mit breiten Autos und mit schmalen: der Gehweg wurde einfach benutzt.

Die Neuplanung wird das verschlimmern. Denn die Planer haben einfach den jetzigen Straßenverlauf kopiert und die Randsteine weggelassen. Die Konstruktionsfehler der heutigen Straßenführung werden verschlimmbessert. Denn:

An manchen Stellen ist der dann ebenerdige „Gehstreifen“ nur 50 cm oder 75 cm breit, obwohl gegenüber mehr als 1,3 Meter Platz ist. Gute Ingenieure können das besser planen. Wenn sie sich die Brille der Fußgänger aufsetzen. Der Platz ist da, wenn man nicht nur an die Autos denkt. Wir Grüne setzen die Priorität auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Am krassesten ist es an der Ecke Nordhäuserstraße Bruchwiesenstraße Nordseite. Da wird die Straße plötzlich 7,70 Meter breit (im restlichen Straßenverlauf sind es 4,58 bis maximal 6 Meter) aber der Gehweg an der Ecke verschmälert sich auf nicht einmal 80 cm Breite. Die autogerechte Straßenplanung war das damals. Bei einem Neubau darf man das nicht kopieren. Es ist äußerst einfach, hier den Gehweg zu verbreitern, Pflanzinseln einzuplanen, ohne den Autoverkehr ernsthaft zu behindern. Denken Hessen-Mobil-Ingenieure immer noch nur autogerecht?

Deshalb haben wir in einem Antrag Nachverhandlungen gefordert

„Hierbei soll vor allem der Schutz von Fußgängern, Kindern in Kinderwagen und Rollstuhlfahrern so verbessert werden, dass eine sichere Trennung und ausreichender Abstand zum Autoverkehr in der Rathausstraße und der Bruchwiesenstraße durchgängig gewährleistet ist.“

Wir haben viele Details genannt, wo nach gebessert werden kann: Durchgängig ausreichend breite Gehwege, und Schutz der Menschen auf den Gehwegen durch echte Fahrwegbegrenzungen, nicht nur Optik. Wir haben auch schmale Pflanzstreifen vor allem in den Kurvenbereichen als Idee eingebracht und Vorschläge gemacht, wie das ohne Behinderung des Straßenverkehrs realisiert werden könnte. Denn Pflanzinseln werden eher respektiert als Fußgänger. Sie haben 10 cm hohe Bordsteinkanten, die schon mal Spuren an Autoreifen und Spoilern hinterlassen, wenn man sie überfährt. Das Gemeindeparlament kann die Planung stoppen, denn die Gelder müssen im Haushalt erst mal bewilligt werden. SPD, CDU, und WIR können sich noch entscheiden.

Zeit für Nachverhandlungen bringt unser zweiter echter Stopp-Antrag: Wir beantragen einen Stopp des Ausbaus bis maximal Oktober 2019.

Für Durchgangsstraßen wie die hier überplante K 128 mit Rathausstraße, einem Stück Nordhäuserstraße und einem langen Stück Bruchwiesenstraße ist das Modell der „wiederkehrenden Straßenbeiträge“ eine gute Idee. Es wird derzeit für Roßdorf geprüft. Es gibt schon ganz viele Gemeinden, die das machen, und auch schon erste, die damit Abrechnungen gemacht haben. Das Ergebnis ist so wie erwartet: Die Belastung für die Anwohner verteilt sich auf mehr Schultern. Alle Nutzer leisten ihren dann viel geringeren Beitrag. Die Anlieger müssen für die Erschließung zahlen, aber die anderen Nutzer auch.

Wir wünschen uns, dass diese innerörtliche Erschließungsstraße als erstes nach dem hoffentlich kommenden neuen Modell abgerechnet wird. Solange muss der Bau ruhen. Denn Abrechnung gibt es immer nach dem zu Baubeginn geltenden Recht. Das haben wir nachgefragt. SPD und CDU arbeiten an einem Vorschlag für eine neue Satzung. Das sollten sie bis Oktober 2019 hinbekommen. Maximal so lange müssen wir halt mit den Schlaglöchern leben. Es gibt schlimmeres.

Für die Grünen: Frieder Kaufmann

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